
"Longer Waves" (1999, OhioGold)
Mittlerweile würde ich diese Platte als ein kleines Juwel bezeichnen. Eine Version des Slowcore, die von einer sehnsüchteligen Midwestern-Atmosphäre durchzogen ist, irgendwo zwischen Hum, American Football und Codeine. Es muss in jenem endlosen Gebiet eine gewisse Magie im Staub liegen, dass dort ansässige Gitarren-Bands immer wieder die schönsten und einschmeichelndsten Melodien aus ihren Instrumenten entlocken. Gespielt von Leuten, deren Blick auf die Musik und ihre Stimmung nicht, wie häufig, durch Trübsal verzogen ist, sondern aufrichtig und klar wirkt. Ein Hang zur Feinheit und Transparenz war auch bereits auf "Meander + Return", dem Debüt von C-Clamp, auszumachen. Klang das auf der '95-Scheibe noch etwas forsch und gröblich gerahmt von Mathrock-artigen Strukturen, ließ sich auf "Longer Waves" ein Konturenabgleich feststellen. Man möchte Begriffe wie 'ausgereift' und 'erwachsen' bemühen - machen wir heute aber nicht. Paradoxerweise klingen sie zwar spürbar gebremst, haben jedoch dabei die knusprige Leichtfüßigkeit früherer Tage beibehalten. Denn mit welch unverschämter Lässigkeit und nicht zu verschweigender Musikalität das Chicagoer Trio seine melancholisch-melodiösen Songs herbei schweben lässt, ist jedes Mal eine Wohltat fürs Gemüt. Dabei knackt jeder der sieben Stücke die 5 Minuten-Marke und ist teilweise von atmosphärischen, ausschweifenden, improvisatorisch-anmutenden Passagen geprägt. Schwerfällig wird es nie: Betrachtet man alleine das taufrische Schlagzeugspiel, wird sichtbar, wie lebendig ihre Lieder durchdrungen sind, wie viele kleine Ideen in ihnen stecken. Lieder über das Leben und die kleinen Dinge darin, in Abwesenheit von Kitsch, Klischee oder schmärigem Selbstmitleid. Im Kern jedes Songs ruht die unangestrengte Leichtigkeit und Catchiness des Pop.
0 Kommentare:
Kommentar veröffentlichen