
"Scavengers" (2000, Young God Records)
Vielleicht ist es aufgrund der Anwesenheit von Michael Gira zu verstehen, dass Callas zweites Album bis heute ihr schroffstes Werk darstellt. Denn ähnlich wie bei Giras Experimental-Folk-Projekt The Angels Of Light sind ihre Arrangements von einer vergleichbaren Methodik geprägt, die das Desolate und Sphärische in ihren Songs mit einer kantigen, kauzigen Note versieht. Ihre Musik ist mal getragen und flächig, dort brüchig und durchscheinend, immer aufgesucht von einem immensen Melodiegespür des Sängers Aurelio Valle. In den höheren Tonlagen leidet er derart schön, wie einst Vogelscheuche und Schmerzensmann Robert Smith, manchmal klingt seine tiefe, weiche Stimme so auch ruhig und verhuscht, dass eine Melodielinie beim ersten Hören gar nicht erst auffallen mag. Calla haben zudem eine gewisse Dringlichkeit in ihrer Musik, etwas Düsteres, Antreibendes, es geht ihnen um etwas, sie meinen es ernst, das spürt man sofort - und sie nehmen sich Zeit: Es ist diese vage Entwicklung ihrer Stücke, die den Hörer zunächst warten lässt. Warten, auf das etwas wird. Obwohl einerseits recht simpel gestrickt, verharren sie oft in einer geisterhaften Stimmung, die ein wenig nach der Verschrobenheit des Labels klingt, auf dem das Album damals erschienen ist. Da fällt es auch nicht weiter aus dem Rahmen, dass ihre Kompositionen mit fortschreitender Spielzeit oft immer entrücktere, rauschige Bilder ergeben, die mit dezenten elektronischen Drones, Feedbacks, Rauschen, Surren und Knirschen meist in kurzen Zwischensequenzen münden. Nichtsdestotrotz, die New Yorker Band versteht es darüber hinweg einfach packende Songs zu schreiben. Songs, die zwar etwas zeitaufwändiger zu knacken sind, doch die Nacht ist ja lang.
"Scavengers" bis heute womöglich das intensivste, beste Album der Band. Es sollte es auch ihre einzige Veröffentlichung auf Giras Label Young God Records bleiben, aber wenn interessiert das eigentlich, vielmehr ist es der Inhalt: zehn Stücke, die einen kraftvollen Sog hinein in die schönste Trübsal entfalten. Existenzielle Schroffheit und eine düstere Wärme fügen sich hier zu einen überragenden Stück Indie-Musik zusammen.
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